Einkauf 4.0: Was wirklich funktioniert – und was nicht
Die meisten Einkaufsleiter, die ich in meinen 30 Jahren getroffen habe, wissen genau, was in ihrem Bereich nicht funktioniert. Sie wissen, welche Prozesse zu langsam sind, welche Lieferanten zu abhängig sind, welche Daten fehlen. Das Problem ist nicht das Wissen. Das Problem ist die Umsetzung.
Warum Digitalisierungsprojekte scheitern
In 80 % der Fälle, die ich begleitet habe, scheitert die Digitalisierung des Einkaufs nicht an der Technologie. Sie scheitert an drei Faktoren:
1. Fehlende Führungsentscheidung. Ein ERP-System kauft sich nicht selbst. Jemand muss entscheiden, was sich ändern soll – und dann dafür sorgen, dass es sich ändert. Das ist eine Führungsaufgabe, keine IT-Aufgabe.
2. Zu viel auf einmal. Die Idee, den gesamten Einkauf in einem Projekt zu transformieren, ist verlockend. Sie ist auch fast immer zum Scheitern verurteilt. Was funktioniert: ein klarer Fokus auf die 3-5 Prozesse mit dem höchsten Hebel.
3. Kein Ownership im Team. Wenn das Team die neue Software als "das Ding, das die Berater eingeführt haben" wahrnimmt, wird es nicht genutzt. Ownership entsteht durch Einbindung von Anfang an.
Was wirklich funktioniert
Aus einem Projekt, das ich 2024 begleitet habe: Wir haben in 8 Monaten 1,2 Millionen Euro Einsparung realisiert – bei einem adressierbaren Einkaufsvolumen von 12,5 Millionen Euro. Das entspricht einer Einsparquote von 9,6 %. Kein IT-Projekt. Keine neue Software. Sondern: Spend-Analyse, Lieferantenkonsolidierung, Verhandlungsführung.
Die Technologie kam erst in Phase 2 – als das Team bereits wusste, was sie damit machen wollten.
Die drei Fragen, die Sie sich stellen sollten
- 1Wissen Sie genau, wo Ihr Einkaufsvolumen liegt – aufgeschlüsselt nach Lieferant, Kategorie und Werk?
- 2Haben Sie in den letzten 12 Monaten mit Ihren Top-10-Lieferanten aktiv verhandelt?
- 3Könnte Ihr Team morgen ohne Sie weiterarbeiten?
Wenn Sie eine dieser Fragen mit Nein beantworten, haben wir einen Ansatzpunkt.

